„In der Not frisst der Teufel Fliegen“. Hat meine Oma immer gesagt. Das mag ja wahr sein. Mir würde es jetzt aber mehr helfen, wenn es im Sprichwort hiesse, „In der Not scheisst der Teufel Fliegen.“ Aber das tut er nicht. Dann würde ich jetzt ein Problem weniger haben, weil mein Problem einfach davon fliegen würde.

Doch wie dem auch sei, ich sitze seit 20 Minuten auf dem Zugklo und hoffe auf Erlösung, oder wenigstens auf eine gute Idee.

Ehrlich, wer geht schon gerne im Zug aufs Klo? Niemand. Ich auch nicht, aber wenn es nicht anders geht, dann muss man eben einfach. Da ist die Natur erbarmungslos. Es wird viel für die Hygienevorschriften getan, gerade seit der Coronakrise. Und wenn ich nicht einen dringenden Termin gehabt hätte, wäre ich auch lieber zu Hause geblieben. Wie so viele andere in diesen Tagen.

Aber nein, ich musste zu diesem Termin. Und dank vollautomatischer Züge brauchte ich auch nichts anfassen, keine Tür, keinen Knopf nichts. Alle Türen gingen bei jedem Halt automatisch auf und Zugbegleiter achteten darauf, dass nicht zu viele Personen im Abteil waren.

Froh so hygienisch auf meinem Sitzplatz angekommen zu sein, liess mich der Drang nach der Toilette nicht mehr los. Wie konnte das jetzt sein? Ausgerechnet jetzt. Ich schob mich durch den Gang zum Klo. Mit dem Ellenbogen öffnete ich die Tür und dann nach der Erleichterung kam der Schock. KEIN KLOPAPIER! Oh verdammt, da sass ich im wahrsten Sinne, des Wortes in der Scheisse. Ausgerechnet jetzt. Welcher Penner klaut das Klopapier aus der Zugtoilette? Wie verzweifelt sind die Menschen eigentlich nur weil ein paar Wochen die Einkaufsmöglichkeiten eingeschränkt werden?

Wo liegen da die Urängste? In einer Wohlstandsgesellschaft jedenfalls nicht vorm verhungern. Das wird mir gerade deutlich klar.

Wir sind alle verängstige Hypochonder. Kaum hört man von einer grippeähnlichen Seuche, denken wir nur noch an giftgrünen Auswurf und Durchfall. Wie sonst soll man, die Hamsterkäufe von Klopapier beurteilen? Dabei gibt es Klopapier noch keine 200 Jahre. Und davor? Hat man ins Gebüsch gekackt, Laub drauf und gut.

Laub, das hat man beim Campen auch schon mal gemacht, oder nicht? Aber ich werde wohl kaum Laub oder Moos auf einer Zugtoilette finden. Und die Packung Taschentücher habe ich natürlich in der Jackentasche an meinem Platz.

Es erstaunt mich, dass die Menschen, wie die Bekloppten Dinge horten, die sie nicht in 6 Monaten verbrauchen können, aber trotzdem noch mit dem Nachbar und Passanten auf der Strasse zusammenstehen und plaudern können. Wenn sie solche Angst vor dem Virus haben, warum verstecken sie sich nicht mit ihrem Jahresvorrat an Klopapier und co. im Keller und lassen, die die trotzdem raus müssen einfach in Ruhe?

Als dann meine Haltestelle ausgerufen wurde, fand sich auch für mein Problem eine schnelle Lösung. Zu meinem Glück war es an diesem Tag frühlingshaft warm und ich konnte ohne gross Aufmerksamkeit zu erregen sockenlos in meinen Turnschuhe die Bahn verlassen. In Zukunft habe ich keine Angst mehr vor einer Notlage. Es findet sich immer eine Lösung.