Im Wald hoch oben in den Bergen, lebte ein grosser, grimmiger und hässlicher Troll. Eigentlich, weiss ich gar nicht ob er grimmig und hässlich war. Denn niemand hatte ihn je gesehen. Und weil ihn noch nie jemand gesehen hatte, glaubte ich den Leuten auch überhaupt nicht. Nur weil er ein Troll war, musste er ja nicht gleich hässlich sein, oder grimmig. Vielleicht war er nicht einmal gross. Aber ich war sehr neugierig, also stieg ich eines Tages die Berge hinauf. Es war ein wunderschöner Wintertag. Die Sonne schien und liess tausende kleiner Schneekristalle funkeln. Was war das für eine wundersame und fantastische Landschaft. Weite offene Wiesen lagen unter dem Schnee und glänzten in der Sonne. Am Waldrand in einiger Entfernung konnte ich Rehe erkennen, die aus dem Dickicht kamen und unter dem Schnee nach Nahrung suchten. Sie gingen langsam am Waldrand entlang, immer auf dem Sprung fliehen zu können.

Von den nahen Bäumen zwitscherten kleine Meisen und Rotkehlchen. Ich war wie verzaubert als ich den Wald erreichte. Es war ein schwerer Aufstieg gewesen. Denn der Wald lag sehr weit oben und die Berge waren sehr steil. Hohe Lärchen stachen vereinzelt aus dem Wald, der hauptsächlich aus Buchen, Fichten und Kiefern bestand. Dichtes Laub lag auf dem Boden und eine dünne Schneedecke hatte alles überpudert. Hier also lebte der Troll. Aber wo? Ich suchte im Schnee nach Spuren. Aber was für Spuren machen denn Trolle? Ich werde sie schon erkennen, dachte ich und ging in den Wald. Äste knackten unter meinen Füssen. Hier und da sah ich etwas durch die Zweige huschen. Ein Eichhörnchen kletterte geschwind auf den Bäumen mir nach. Es beobachtete mich argwöhnisch. Vielleicht hatte es Angst, dass ich ihm seine Nüsse klauen würde.

Da entdeckte ich merkwürdige Abdrücke im Schnee. Waren das vielleicht Trollspuren? Wie zwei Halbmonde, die sich gegen überstehen sahen sie aus. Und es gab mehrere davon hintereinander. Hier waren auch Zweige abgeknickt. Ich sah mich genau um. An einem Baum erkannte ich abgewetzte Rinde, sogar Zahnabdrücke. Wenn das der Troll gewesen war, dann muss er mindestens ein Meter dreissig gross sein und sehr schmale Füsse haben. Ich folgte den Spuren bis zu einem Lager. Es war eine Kuhle hinter einem Strauch. Hier hatte jemand geschlafen. Auch hier waren kleine Zweige angenagt. Als ich das sah, kam mir zum ersten Mal der Gedanke, was frisst eigentlich ein Troll. Ich überlegte. Bei all den Geschichten, die man sich im Dorf erzählt, wird eines nicht klar, was ein Troll frisst. War er womöglich ein Pflanzenfresser, einer der nur Knospen, Blätter und Früchte frisst? Dann könnte das hier sein Lager sein. Ich musste schnell weg, falls er bald wieder kommt. In einiger Entfernung standen Büsche. Ich hockte mich dahinter und beobachtete das Lager. Und schon bald knackten Zweige und es näherte sich etwas. Ein Reh. Es schnupperte am Lager und in der Luft, dann scharrte es etwas in der Kuhle und legte sich hinein. Also war das überhaupt kein Trollnest gewesen und auch keine Trollspuren. Enttäuscht schlich ich langsam vom Rehlager weg.

Ich musste weiter suchen. Wenn man nicht weiss, wonach man sucht, ist das ziemlich schwer. Ich lehnte mich an einen Steinhaufen, der unter kleinen Fichten stand. Eine dünne Schneedecke lag auf den mossbewachsenen Steinen. Ich kramte in meinem Rucksack und suchte mein Brot. Nach der langen Wanderung hatte ich Hunger bekommen. Das Käsebrot war an der frischen Luft nochmal so lecker, wie in der Stube. Ich genoss die Aussicht auf die Felder. Unter den kleinen Fichten war ich vor dem Wind geschützt. Ein schöner Platz. Die Steine hinter mir waren nicht so kalt, wie ich dachte und so lehnte ich mich entspannt dagegen.

Ich dachte über die Spuren im Schnee nach. Wenn der Troll sehr gross war, dann müsste es leicht sein seine Spuren zu finden. War der Troll im Gegensatz dazu sehr klein, dann wird es mir vielleicht überhaupt nicht gelingen ihn zu sehen. So in Gedanken, bemerkte ich die kleinen Veränderungen hinter mir gar nicht. Hier und da rollte ein kleiner Stein vom Hügel, der Schnee wirbelte in kleinen Wolken umher. Doch als sich die Steine gegen meinen Rücken pressten und ich ein langes und genüssliches Gähne hörte, drehte ich mich langsam um und erstarrte fast sofort. Ich hatte mich gegen einen grossen steinigen Troll gelehnt. Sein Fuss drückte gegen meinen Rücken. Der Steinhaufen war ein zusammengerollter Troll gewesen. Langsam rieben sich die Steine gegeneinander und der Troll streckte sich genüsslich aus. Er atmete tief ein. Und blinzelte mich an. Dann sah er sich um. Gähnte noch einmal und rollte sich wieder zu einem Steinhaufen zusammen. Ich rührte mich kein bisschen. Der Troll hatte mich wohl nicht entdeckt. Ich stand langsam auf und nahm meinen Rucksack. Als ich sehr leise von dem Steinhaufen wegschlich, suchte ich am Boden nochmal nach Spuren, aber ausser meinen, war da nichts. Da begriff ich endlich, warum ich keine Spuren gefunden hatte. Der Troll machte Winterschlaf. Ich wollte den Troll auf keinen Fall stören. Also ging ich leise über die Wiese und den Berg hinunter. Im Dorf erzählte ich lieber nichts. Sollten die doch reden, was sie wollen. Ich jedenfalls, werde im Frühling vielleicht wieder zu dem kleinen Wäldchen gehen und dann ist der Troll vielleicht ausgeschlafen.